Festung
| Autor: | nicolas fischer |
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| Punkte: | 343 |
| Stichwörter: | festung, geissel, pilger, schicksal, sehnsucht, |
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Einst ragte sie stolz und mächtig empor,
die Geißel des Selbst, verschlossen das Tor.
Aus Granit gemeißelt, mit Runen verziert,
im Innern meist Furcht und Angst regiert.
Im Sechseck die Türme, grau, gebrochen,
in ihnen der Geist wacht zeitlose Wochen.
Mit Blut gezeichnet, die Narben der Kriege
verweisen auf Schmerz und einsame Siege.
Zu viel schon erlebt, zu viel gesehen,
verloren sie war, und doch blieb sie stehen.
Das schwarze Tor allen den Einlass verwehrt,
die der Sehnsucht Feuer durch Lüge beschwert.
Die Mauern, sie zittern, erbost und gerührt,
das Tor sich öffnend ihn leise verführt.
Der Pilger tritt ein, verharrt und lauscht,
Schüler und Meister sind nun vertauscht.
An der Festung Zinnen nach langer Zeit,
erste Strahlen vertreiben die Dunkelheit.
Auf schwarzen Pfaden, ganz unbeschwert,
der Wanderer sich dem Zentrum nähert.
In der Mitte ein Tempel, weise und alt,
aus Marmor die Stufen, geschliffen, kalt.
Der Pilger erklimmt sie, fernab ein Ton,
des Schicksals Horn spielend bricht Illusion.
Am Ende des Weges, leuchtend und klar,
erhebt er sich stumm, des Geistes Altar.
Auf ihm ein Buch, die rußigen Seiten
sprechen verzückt von stürmischen Zeiten.
Die Augen, sie glänzen, der Pilger es liest,
die Gedanken er in sein Herz verschließt;
entzündet Kerzen in purpurnem Rot.
Wenn sie einst verlöschen, so bin ich tot.
Festung wurde von nicolas fischer am 24.12.2007 um 12:42 Uhr verfasst.
Dein Kommentar zu diesem Gedicht:
snakeman:
Hallo!
Dichterisch finde ich es ebenfalls sehr gut. Zur Interpretation:
Das lyrische Ich früher immer sehr verschlossen, hat niemanden näher an sich herangelassen und konnte keine Gefühle zeigen. Ein Krawallbruder passt nicht schlecht in das Bild hinein. Doch im Inneren hat es immer rumort. Der Pilger schafft es jeodch dem lyrischen Ich näher zu kommen und lehrt ihm sich seinen Gefühlen zu stellen, und mit ihnen umzugehen. Auch hier passt das langsame Besinnen. Der Pilger akzeptiert die alten Seiten des LyrIchs und gehört nun zu ihm. Aber was genau ist der Pilger? Wahrscheinlich ein neues Ich, aber vielleicht auch doch eine andere Person?
Mit Bitte um Aufklärung...
Liebe Grüsse, snakeman
24.12.2007 - 13:04 Uhr | Kommentar melden
nicolas fischer:
Ich stecke grad in den Weihnachtsvorbereitungen, werd mir aber nachher sicher etwas Zeit nehmen können, um mit euch zu diskutieren.
Bis dahin erst einmal frohes Fest.
Nico
24.12.2007 - 13:09 Uhr | Kommentar melden
liane:
Dichterisch und die inhaltliche Botschaft find ich sogar genial.
Man kann schön über diese Zeilen verweilen, so dass ich glaube, dass ein jeder etwas anderes interpretieren könnte. Das ist es vielleicht, was dieses Gedicht so ausmacht. Klasse!
24.12.2007 - 15:05 Uhr | Kommentar melden
nicolas fischer:
Danke erstmal für die tollen Kommentare, konkretisiert mal eure Fragen, mal schaun, ob wir das gleiche denken :D.
27.12.2007 - 11:40 Uhr | Kommentar melden
edith hoppe:
Hallo ich habe die Kommis gelesen Bin etwas erstaunt,
habe vielleicht nicht so viel Lyrik in meinen Gedichten, aber liebe die alten balladen.Sondern mehr gereimte Prosa, aber hier seh ich ganz einfach, die alten Gebäuse, ob Schlösser, Burgen, Festungen, sie alle waren ja mit Krieg, Blut und Verfolgung , eins.
Und heute , nach dem vieles fast verfallen ist, wird dort zum Teil neues Leben eingebracht, und der Pilger, sprich Tourist, steht teils staunend, teils erfürchtig, aber leider auch meist unwissend vor den Altären der Grausmkeiten und erstirbt fast in Ehrfurcht. Das heute immer gegen Obulus auch die Kerze anzuzünden ist, macht es nicht weniger makaber.
Aber wie gesagt, so interpretiere ich es. vielleicht hatte der schreiben ja ganz andere Intuitionen. gruß edith Hoppe
27.12.2007 - 12:11 Uhr | Kommentar melden
nicolas fischer:
Was ich mir gedacht habe, als ich das Gedicht geschrieben hab, kann ich euch sagen, wenn ihr mir sagt, ob ich da Strophe für Strophe vorgehen oder im Gesamtbild beschreiben soll.
Im großen und ganzen geht es (für mich) um den Schutzring eines jeden, den er immer bei sich trägt, und um den Neubeginn einer Liebesbeziehung.
28.12.2007 - 11:07 Uhr | Kommentar melden
snakeman:
Hallo nicolas!
Dann nur noch eine Frage: Ist der Pilger also die neue Liebe?
Liebe Grüsse, snakeman
29.12.2007 - 12:47 Uhr | Kommentar melden
snakeman:
Damit keine weiteren Fragen! ;) Vielen Dank für die Erläuterung.
Liebe Grüsse, snakeman
29.12.2007 - 16:20 Uhr | Kommentar melden
hanna:
Hallo nicolas,
gefällt mir fast noch besser als "Der Schlüssel"! Man kann so unglaublich schön eintauchen in eine Welt, die vielleicht in uns allen wartet, entdeckt zu werden.
Alles Liebe
Hanna
28.01.2008 - 09:48 Uhr | Kommentar melden
crox:
Erinnert mich an "Der Name der Rose", altes Gemäuer, schon schaurig. Die düstere Stimmung des Gedichts wird nach und nach aufgebrochen, super Inhalt, klasse!
Viele Grüße
Crox
10.02.2008 - 10:21 Uhr | Kommentar melden
mirke:
Oh wie schön!
Du schreibst so toll, deine Wortwahl ist einfach klasse.
Ich hab es mir auch erst als Burg vorgestellt, dann hab ich dir Kommentare hier gelesen und dann nochmal das Gedicht und ich find es einfach super.
Ich fand ja schon "Schlüssel" so toll und jetzt das... ich les gleich noch deine anderen Gedichte!
lg
Mirke
10.02.2008 - 16:53 Uhr | Kommentar melden
buecherskorpion:
Ein schönes Gedicht, gefällt mit wirklich gut. Berührende Zeilen. LG Sabine
26.03.2008 - 10:37 Uhr | Kommentar melden
marcus:
Du schreibst, und ich denke irgendwie immer an das Mittelalter, an mystische Zeiten und an alte Dichtkunst. Du bildest auch hier wieder besondere Reime, und Deine eigene Interpretation finde ich sehr interessant. Du schreibst sehr lang, und dennoch enthält es keinen Satz zu viel. Du hast bei mir geschrieben, daß wir im Stil (beim Geisterhaus glaub ich) sehr ähnlich sind. Ich muß sagen: Das schmeichelt mir. Ich bin schwer beeindruckt bis jetzt.
Gruß
Marcus
12.05.2008 - 01:49 Uhr | Kommentar melden
hexe75:
Hi Nico,
deine Zeilen sind einfach große Klasse......
Lg. Hexe75!
29.07.2008 - 19:31 Uhr | Kommentar melden
sebastian bugge:
Großartiges Gedicht!
Gute Dramarturgie und auch sehr stark umgesetzt
hoffe mir gelingt auch mal so ein Mesiterwerk
03.11.2008 - 19:28 Uhr | Kommentar melden
twity autor:
Hallo Nicolas,
mußte jetzt mal bei dir stöbern...
dein letztes Werk hat mich so beeindruckt.
Toller Schreibstil - wunderbar geschrieben - einfach klasse....
Liebe Grüße an dich
Twity-Autor






meaty:
ich weiss nicht ob ich das richtig interpretiere?! könnte es ein prozess des eigenen lebens darstellen.
in der jugend ein krawallbruder und sich langsam besonnend zur inneren ruhe einkehrt. kurz gefasst.
ansonsten dichterisch echt klasse, gut lesbar und einfach gut. gefällt meaty sehr gut. weiter so...
frohe weihnacht meaty
24.12.2007 - 12:50 Uhr | Kommentar melden