Der Schlüssel

geschrieben am 27.12.2007 um 11:42 Uhr

349 Punkte

 

Im Feuer der Drachen die Reise beginnt;
ein düsterer Ort, die Uhren sind blind.
Hier glüht die Substanz, nähert sich der Form
auf steinernen Bahnen, verstärkt mit Horn.

In der Schmiede des Schicksals, Mitternacht,
Hephaistos, der Meister, sorgsam er wacht,
entnimmt den Rohling, betrachtet ihn scharf,
die letzten er alle ins Feuer warf.

Er lächelt nun still, den Drachen er dankt,
letztendlich sie geben, wonach er verlangt.
Das Metall, es schimmert, silbrig und matt;
der Schmied, er schleift die Seiten glatt.

Er hämmert und feilt, bohrt Zacken hinein,
am Morgen der Schlüssel wird fertig sein.
Am Ende des Meisters eigne Gravur,
sie gibt dem Schlüssel die letzte Kontur.

Drei Zacken er hat, rot, grau und schwarz,
sie wurden verziert mit edlem Quarz.
Sie sind für des Menschen Schloss gemacht;
es zu öffnen ihr Ziel, ganz still und sacht.

Die Erste der Zacken, in grau, ganz schlicht
sie ebnet den Weg, durchbricht jede Schicht.
Der Neugier folgt die Symphatie;
im ganzen Körper fühlt man sie.

Aus schwarzem Granit die Zweite besteht,
sie bindet worum sich das Leben dreht.
Schlussendlich nur das blinde Vertrauen
besiegelt das Band im Morgengrauen.

In schillerndem Rot, die Letzte der Drei,
sie bricht neun Siegel, die Seele ist frei.
Lässt Liebe strömen in dein Herz,
bist du bereit für Glück und Schmerz.

Hephaistos, der Schmied, er macht sich auf,
reist um die Welt, landein, bergauf.
Verwunschne Lettern auf deiner Tür,
sie führen ihn hinab zu dir.

Das Leben, gezeichnet von Wut und Angst,
du zweifelst, hoffst, verlierst, und bangst,
nun ändert es sich, von Kopf bis Fuß,
Hephaistos hebt die Hand zum Gruß.

Er gab dir deinen größten Schatz,
so danke nun im letzten Satz,
Hephaistos, Meister der Magie.
Er liebt dich sehr, vergiss das nie.

 
anonym

geschrieben am 11.02.2008 um 17:30 Uhr

Diese Gedicht habe ich in meiner Nachttischschublade und lese es immer wieder. Du machst Dir viele Gedanken um das Innerste, kämpfst um den richtigen Ausdruck und läßt die Dinge reifen. Du bist auf dem richtigen Weg.

 
moonlady

geschrieben am 27.12.2007 um 13:05 Uhr

ein wunderschönes Gedicht,
es hat mich ganz fasziniert...
und so mystisch der Stiel...
gibts davon noch mehr???
toll,
liebe grüße

 
nicolas fischer

geschrieben am 27.12.2007 um 15:08 Uhr

Freut mich, dass es euch gefällt. Ich werde in der nächsten Zeit sicher noch ein paar online stellen, aber ich muss mir hier auch mehr von anderen durchlesen :D.

@ moonlady: Habe hier noch eins veröffentlicht, es heißt Festung.
Lieben Gruß
Nico

 
anonym

geschrieben am 27.12.2007 um 16:38 Uhr

hallo nicolas!

Auch mir gefällt dein neues Gedicht wieder sehr gut. "Mystisch" ist hier wirklich ein passendes Stichwort.

Mich würde allerdings immernoch deine Interpretation von "Die Festung" interessieren. ;)

Liebe Grüsse, snakeman

 
anonym

geschrieben am 28.01.2008 um 09:36 Uhr

Wunderbares Gedicht, zum verlieben. Bitte mehr!

Liebe Grüße
Hanna

 
anonym

geschrieben am 10.02.2008 um 10:18 Uhr

Hey,
ich hab durch Zufall das Gedicht gefunden, finde es genial!
Mach weiter so.
Crox

 
mirke

geschrieben am 10.02.2008 um 10:49 Uhr

Dein Gedicht ist perfekt! Was soll ich sagen? Deine Reime sind super, deine Wortwahl ist klasse!
Dieses Gedicht ist eins von den besten, die ich hier gelesen hab!
Natürlich Punkt und Gruß
Mirke

 
nicolas fischer

geschrieben am 10.02.2008 um 12:17 Uhr

So viel Lob, danke schön :D! Ich hoffe, dass euch die anderen Gedichte und die, die noch folgen werden, weiter erfreuen können.
Gruß
Nico

 
anonym

geschrieben am 11.02.2008 um 11:59 Uhr

Was soll ich zu diesen Kommentaren noch hinzufügen, ausser GROSSE KLASSE !
LG
H. Rehmann

 
nicolas fischer

geschrieben am 12.02.2008 um 22:23 Uhr

Wieso hab ich eigentlich mal Links, und mal keine?
Vor allem bei Horst hab ich ja schon was gelesen (Katrin auch??), und komm trotzdem nicht zu seinen Gedichten...

 
anonym

geschrieben am 30.04.2008 um 22:02 Uhr

also das ist ja voll schlecht tut mir leid

 
nicolas fischer

geschrieben am 01.05.2008 um 10:46 Uhr

Jedem seine Meinung :D.

 
marcus

geschrieben am 12.05.2008 um 01:44 Uhr

Schlecht werden es wohl nur die finden, die es nicht verstehen.
Es ist von der Reimform absolut anspruchsvoll und so fernab von "nullachtfünfzehn". Findet man selten hier. Ich bewundere Dich hauptsächlich für die tiefgängige Idee. Sehr, sehr kreativ. Ich schau gleich mal weiter.
Gruß

Marcus

 
nicolas fischer

geschrieben am 12.05.2008 um 16:32 Uhr

Man verliert sich vielleicht etwas in der Länge, aber weniger ist wohl nicht immer mehr :D. Freut mich, dass es dir gefällt.

Greetz

 
hexe75

geschrieben am 29.07.2008 um 19:29 Uhr

Wau ein tolles Gedicht,
das schreiben liegt dir aber verdammt gut.
Gern gelesen!
Lg. Hexe75 + P

 
sina maria

geschrieben am 08.07.2008 um 15:36 Uhr

dein Gedicht ist wirklich sehr schön!!Es ist das erste seit langem das mir richtig gut gefällt....vor allem der Inhalt hat mich beeindruckt!!

 
jelena

geschrieben am 02.07.2009 um 15:29 Uhr

Unglaublich faszinierend geschrieben! Ich hab mir das Gedicht jetzt öfters durchgelesen (obwohl mein PC flimmert wie sonst nix) und es hat KEIN BISCHEN von seinem Reiz verloren!
Mach weiter so!!
fetten Punkt!
GLG Lena

 
twity autor

geschrieben am 27.10.2008 um 23:50 Uhr

überaus beeindruckend, toller Stil und sehr aussagekräftiger Inhalt, Respekt - bin begeistert

Liebe Grüsse an dich
Twity-Autor

 
arcany pearl

geschrieben am 15.05.2009 um 19:59 Uhr

Wow, ein tolles Gedicht...
Faszinierend und geheimnisvoll, dein Schreibstil gefällt mir!
Mal etwas Anspruchsvolleres ;)
So etwas findet man nicht allzu oft hier...weiter so :)
LG + P
Arcany

 
maria m

geschrieben am 19.04.2009 um 00:21 Uhr

Siehst du, lieber Nicolas, ich wusste es, dass ich es bei dir gelesen habe. Wenn es nicht so überwältigend geschrieben wäre hätte ich mich gar nicht mehr daran erinnern können.
Im Übrigen ist der zweite Kommi von mir. Allerdings unter meinem alten Namen. Hatte damals alle meine Gedichte gelöscht, weil ich `ne Krise mit mir hatte und obendrein meine Gedichte alle oll fand. Aber ohne Schreiben halte ich es auch nicht aus.

lieben Gruß Liane

 
roman with rose

geschrieben am 04.05.2009 um 21:50 Uhr

Hallo Nico
das ist echt...richtig gut

gerne gelesen

lg an dich

von Roman with Rose

 
pepsi55

geschrieben am 17.05.2009 um 03:05 Uhr

also ich sehe schon: du bleibst deinem stil treu bzw. hast ihn "gefunden" (was ich von mir noch lang nicht behaupten kann. hab da noch so meine schwächen).

also dieses gedicht hier gefällt mir ausnahmslos gut. du hast eine tolle art die gedanken um das leben und die liebe in so mythische (geschichten) worte zu verpacken. gefällt mir echt gut!

herzlichst
die pepsi:)

 
mchl

geschrieben am 13.11.2009 um 00:45 Uhr

Hallo Nico
Bei Dir steckt viel Arbeit drin Das merkt man an
jeder Zeile an der Geschichte am Aufbau des Gedichtes
gefällt mir aus gesprochen gut
Schreiben kannst Du muß ich neidlos anerkennen
Viele Grüße Michael

 
vokalchemist

geschrieben am 15.11.2009 um 10:18 Uhr

Dass die Reise nicht endet zeigt einen ewigen Charakter der durch die Schlüsselstellung Hephaistos viel von einem Bekenntnis hat. Sowas steht und fällt mit Leichtgläubigkeit bzw. Projektionsabsichten.
LG RS

 
armando

geschrieben am 24.05.2010 um 14:59 Uhr

Lieber Nico,
dieses Gedicht gefällt mir auf Anhieb, weil du da das innerste der Seele mit mythischen Worten und Metaphern beschreibst. Du scheinst dich in der griechischen Sagenwelt auszukennen. Da sind bei mir mehr Wissenslücken, die Bände füllen. *grins
Als Dramaturg könnte ich dich gut vorstellen.
♥lichen Dank für dein Kommentar bei mir.
Ja, wir können über alles reden, es gibt ja inzwischen auch in Poezio eine Art E-mail.
Du hast schon Recht, mit "Verdrängen". Ich fand nur kein besseres Wort. Denn "vergessen" kann man solche Erfahrungen nicht, nur die Erinnerung verblasst, und der Schmerz zieht sich allmählich zurück, wird sozusagen von den neuen positiveren Ereignissen "verdrängt". Manchmal ringe ich um Worte, und bin nicht so zufrieden mit der Satzstellung. Aber wenn ich nur noch am rumfeilen bin, dann wird das Spontane, urtümliche Gefühl, so abgeschliffen, dass die Schärfe weg ist.( bildlich gesprochen). Ich wollte eigentlich was mildes, tröstendes, wo man spürt, dass das mitempfinden ehrlich ist und nicht bloß eine Floskel...Du verstehst, was ich meine?
Bei deinen Gedichten habe ich das Gefühl, dass du der bessere Meister der Worte bist. Meine Kenntnis der Lyrik bewegt sich in einem sehr bescheidenen Niveau. Aber ich mache das nur, weil es mir Spaß macht und weil ich Kraft daraus schöpfe. Denn ich glaube an die Magie der Worte, und an die heilende Kräfte, die darin schlummern. Bruno Gröninger ist einer von den Menschen, die es praktiziert haben.
LG Armando

 
nicolas fischer

geschrieben am 25.05.2010 um 02:20 Uhr

Ha, lach, lieber Armando,
in der Sagenwelt bin ich zumind. nicht völlig blind, aber soweit ich mich erinnern kann waren da keine Drachen in Hephaistos Schmiede ^^. Es freut mich, dass es dir gefällt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich hier und da noch etwas ändern würde, aber ich ändere generell nur ungern ;). Wenn wir die Bände mit deinem Unwissen füllen und ich dich danach zwinge sie zu lesen, bist du schlussendlich für alles gewappnet :D. So haben wir beide richtig Spaß an der Sache.
Bezüglich des internen e-mail-clients: joa, ich werde den mal nutzen und mit dir demnächst (meine Zeit ist leider immer so knapp bemessen…) mal ein wenig diskutieren ;). Und ich gebe dir Recht: manchmal kann man etwas einfach nicht besser schreiben, weil es nur genau so, wie man es schreiben will, dem entspricht, was man fühlt. Die Gradwanderung zwischen Kunstform und Inhalt ist denke ich sehr schwer, und dies zu beherrschen sicher ein Prozess, der ein halbes Leben füllen kann.
Und klar verstehe ich, was du meinst, und ich will dir diesen sehr guten Ansatz auch in keinster Weise ausreden. Ich finde ich super, dass sich hier wenigstens einer der „Spitzenkräfte“ so ins Zeug legt und auf die Texte der anderen in solcher Form eingeht. Hut ab!
Und ich denke, dass wir beide es machen, weil es uns Spaß macht. Ich vielleicht noch, um einige Geschehnisse zu verarbeiten oder eben manchmal das auszudrücken, wofür mir sonst die richtigen Worte fehlen würden. Bruno Gröninger wird direkt mal gegoogelt, muss gestehen, der sagt mir im Moment noch gar nix.
Nochmals danke für deine ausführliche Rückmeldung, ein schöner Lichtblick (du weißt, was ich meine). Und du machst dich wirklich viel kleiner als du bist und mich viel größer, das ist einfach Quatsch. Ich erkenne deine Texte hoch an.

Grüße
Nico